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Wie wird ein Wohnhaus nachhaltig?

Ein Bauprojekt in Kirchberg zeigt, wie sich Wohnen und Klimaschutz vereinen lassen

Nachhaltiges Wohnen ist ein Trendthema, das nicht nur Immobilienkäufer, sondern auch Bauherren und -herrinnen umtreibt. Schließlich lässt sich mit den eigenen vier Wänden viel CO2 einsparen. Wie kann man bereits beim Bau sicherstellen, dass ein Haus dauerhaft klimafreundlich bleibt? Architekt Uwe Klein gibt Antworten zum nachhaltigen Bauen und gewährt Einblick in sein aktuelles Lieblingsprojekt.

 

Erneuerbare Energie

Das entsteht derzeit in Kirchberg an der Murr. Ein Mehrfamilienhaus in der Danziger Straße, das kurz vor der Vollendung steht – und in Sachen Klimaschutz vieles richtig macht. Etwa in Sachen Heizenergie: Die gewinnt das Gebäude dank Luft-Wasser-Wärmepumpe aus der Umgebung, für einen geringen Wärmebedarf sorgen die hochwertige Dämmung der Außenwände und des Daches sowie die Wahl der Fenster. „Die Fenster haben eine Dreifach-Verglasung mit besonders hohem Wärmeschutz“, sagt Architekt Uwe Klein. Wichtigste Kennzahl ist hier der U-Wert. Er beziffert den Energieverlust bezogen auf die Fläche. Je niedriger der Wert, desto geringer die Wärmeverluste. Die Fenster in Kirchberg erreichen einen U-Wert von 0,6. „Ein Spitzenwert in Sachen Wärmeschutz“, sagt Architekt Uwe Klein. „Er übertrifft sogar die Anforderungen an Passiv- und Nullenergiehäuser.“

 

Nachweisliche Qualität

Allerdings brauche ein energiesparendes Haus mehr als gute Fenster, sagt er. Entscheidend sei, dass am Gebäude nirgends ungewollt Wärme entweiche. Das lasse sich mit gezielten Messverfahren vermeiden. „Mit dem Gebäudeenergiegesetz gilt ab dem Herbst ein neuer Energiestandard“, sagt Uwe Klein. Was dann verpflichtend wird, ist bei ihm seit vielen Jahren Standard. Mithilfe des Blower-Door-Tests prüft sein Team die Luftdichtheit und schließt Wärmelecks aus, etwa an Fugen oder Lüftungsanlagen.

Auch das zähle zur Nachhaltigkeit, sagt Architekt Uwe Klein. Denn: Die Messung liefert einen Qualitätsnachweis der Bauausführung und trägt dazu bei, Schäden und Folgekosten zu vermeiden. Neben den energetischen Vorteilen gewährleiste das höheren Wohnkomfort und gesundes Wohnen.

 

In die Zukunft gedacht

„Für mich bedeutet Nachhaltigkeit auch, die laufenden Kosten gering zu halten“, sagt Helga Klein. Sie verfolgt seit vielen Jahren die Entwicklungen am regionalen Immobilienmarkt und greift das Beispiel Heizkosten auf. Hier müsse der Eigentümer eines marktüblichen Neubaus mit monatlichen Ausgaben von rund 70 Cent pro Quadratmeter rechnen. „In Kirchberg werden die Heizkosten weitaus niedriger liegen“, sagt Helga Klein. „Dank des hochwertigen Ausbaus liegt der Wert dort bei etwa 35 Cent.“ Eine Kostenersparnis, von der die Bewohner dauerhaft profitieren werden.

 

Vorhandenes bewahren

Etwas Weiteres lag Architekt Uwe Klein bei der Planung in Kirchberg am Herzen. „Wir haben das Bestandsgebäude auf dem Grundstück gezielt in die Planungen einbezogen“, sagt er. Das Treppenhaus bleibe bestehen, ebenso Wände, Außenmauern und ein Teil der Decken. „Mir war wichtig, den Bestand zu bewahren, soweit es wirtschaftlich sinnvoll war“, sagt er. Dank gezielter Modernisierung werde der Bestandsbau dem hohen Energiestandard gerecht. Dazu wurde in neueste Technik investiert, etwa ein neues Stromnetz und moderne Smart-Home-Technologie.

 

Heute an morgen denken

„Ein Haus bleibt über Jahrzehnte bestehen“, sagt Architekt Uwe Klein. „Darin liegt eine Chance – und unsere Verantwortung. Darum legen wir Wert auf langfristige Planung, nachwachsende Materialien und den bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen.“ Dazu zähle, den wandelnden Bedürfnissen Rechnung zu tragen, sagt er. Es gelte, späteren Bedarf von Anfang an mitzudenken, etwa durch flexible Grundrisse und barrierefreie Wohnkonzepte. 

 

»Ein Haus bleibt über Jahrzehnte bestehen. Darin liegt eine Chance – und unsere Verantwortung.«

Freier Architekt Uwe Klein

 

Sparsam und klimafreundlich

Ein Konzept, das Zuspruch findet. Kirchbergs Bürgermeister Frank Hornek lobt den klimafreundlichen Ansatz und das Bestreben, Vorhandenes zu verwerten. „Ich freue mich, wenn wir in Kirchberg weitere Projekte wie dieses umsetzen können“, sagt er. „Ich wünsche mir mehr bezahlbaren Wohnraum für die Gemeinde.“ Simone Brem, Leiterin des Bauamts in Kirchberg, überzeugt die Verbindung von hochwertiger Ausstattung und niedrigen Betriebskosten. „Ein gelungenes Konzept, das langfristig gedacht wurde“, sagt sie.

 

»Ich freue mich, wenn wir in Kirchberg weitere Projekte wie dieses umsetzen können.«

Bürgermeister Frank Hornek

 

Umweltschonendes Zuhause

Sechs Familien werden in Kirchbergs jüngstem Bauprojekt ein neues Zuhause finden. Sie konnten die Fortschritte der Bauarbeiten via Messenger verfolgen und fiebern dem Bezug entgegen. Der steht kurz bevor: Trotz Corona-bedingter Herausforderungen und Neuorganisation der Baustelle liegt das Architektenteam gut im Zeitplan. Die Übergabe war bis Jahresende 2020 zugesagt, nun können im Oktober die Umzugswagen kommen. Nicht mehr lange, und die neuen Bewohner werden die Vorzüge eines nachhaltigen Zuhauses erleben und langfristig günstig und behaglich wohnen.

Architekt Uwe Klein indessen plant bereits die nächsten Bauprojekte in der Region. Für ihn ist Nachhaltigkeit ein Herzensthema, das er voller Überzeugung verfolgt. Gemeinsam mit seinem Team freut er sich darauf, nachhaltiges Bauen weiter voranzutreiben.